In dieser Schilderung soll es um Impressionen gehen, die auch Nicht-Fachleuten vermittelt werden, um Ängste abzubauen und über die Möglichkeit einer Kremierung zu informieren. Deshalb wurde auf fachliche Spezifika verzichtet.
In kleinen Gruppen, verteilt auf drei PKW, unternahmen wir die Exkursion nach Cottbus. Die meisten Teilnehmer waren bereits lange im Bestattungswesen tätig. Sie hatten schon Erfahrungen mit Kremierungen gemacht, wollten nun jedoch die moderne Technologie kennenlernen. Darüber hinaus war es uns ein Anliegen, mit unseren neu erworbenen Kenntnissen künftig die Fragen der Hinterbliebenen besser beantworten zu können.
Als wir vor dem Krematorium standen, herrschte eine auffallende Ruhe unter uns – eine Ruhe der inneren Anspannung angesichts dessen, was uns erwarten würde. Der Würde des Hauses entsprechend betraten wir still eine helle, übersichtliche und gepflegte Empfangshalle. Dort wurde jeder persönlich von der freundlichen freien Mitarbeiterin Frau Cornelia Konschake sowie vom Krematoriumsmitarbeiter Herrn Hannes Krahl begrüßt. Sie hießen uns mit Getränken und kleinen Snacks willkommen, sodass die Spannung schnell wich. Es folgte die Besichtigung einer ausgesprochen geschmackvoll gestalteten Trauerhalle, die das Gefühl feierlicher Besinnlichkeit vermittelte und ebenfalls lichtdurchflutet war. Das zentrale Thema war jedoch der technische Ablauf des Verbrennungsprozesses. Wir erfuhren neben vielen wichtigen Details, dass vor jeder Einäscherung eine vorgeschriebene ärztliche Leichenschau stattfindet. Genauso wichtig ist es, dass Verwechslungen durch einen feuerfesten Identitätsstein ausgeschlossen sind. Wir konnten zusehen, wie die computergesteuerte Anlage auf Knopfdruck den Sarg mittels einer sogenannten automatisierten Einfahranlage einer Verbrennungstemperatur von etwa 900 Grad übergab. Das stellte für jeden von uns eine besondere Auseinandersetzung mit dem Tod dar, denn hier trafen Emotionen auf modernste Steuerungstechnik – für mich zunächst ein scheinbarer Kontrast. Uns wurde erklärt, dass Hinterbliebene auf Wunsch bis zur Übergabe des Sarges an das Feuer anwesend sein dürfen. Dabei stellte sich mir allerdings die Frage, ob dieser Anblick von jedem verarbeitet werden kann, ohne dass die Bilder die Seele nachhaltig belasten. Deshalb sollte sich jeder Angehörige gut überlegen, ob er dafür stark genug ist. Wir erfuhren, dass der gesamte Prozess der Einäscherung etwa 3 – 5 Stunde dauert und dass die Emissionen strengen Kontrollen unterliegen. Nach dem Aussortieren von künstlichen Gelenken und metallischen Gegenständen wie Sargnägeln wird die Asche in eine Urne gefüllt und dem Bestatter übergeben.
Zusammenfassend war dieser Besuch für uns alle sehr interessant, denn wir gewannen neue Kenntnisse und Einblicke. Vor allem aber wurde deutlich, dass neue Technologie keinen Widerspruch zu traditionellen Werten darstellt. Das Krematorium wird seinem Anspruch an Pietät und Würde gerecht. Beim Umbau des alten Gebäudes wurde an alles gedacht. Unabhängig von der Notwendigkeit einer gut funktionierenden Technik wurde auch die Gefühlswelt der Hinterbliebenen berücksichtigt. Das Haus strahlt Ruhe, Freundlichkeit und Empathie aus – sei es durch die farbliche Gestaltung, durch Bilder oder durch die Dekoration. Die gut ausgebildeten Kremationstechniker sprachen sachlich und angemessen über ihre Tätigkeit und vermittelten dabei nicht nur Transparenz, sondern auch Respekt gegenüber den Verstorbenen.
Wir bedanken uns bei Frau Cornelia Konschake und Herrn Hannes Krahl für ihre kompetente Führung sowie bei Herrn David Rost, der diese Exkursion ermöglicht hat.
Annette Winkler